DEUTSCH - ÖSTERREICHISCHE FREUNDSCHAFT
Deutsch - Österreichische Freundschaft
Alles fing vor einigen Jahrzenten, nach dem Krieg an.
Ein großer Teil meiner Verwandtschaft, zog von Österreich nach Nordrhein-Westfalen. Es waren alles junge Kerle, teilweise mit oder ohne Frau, teilweise mit ihren Eltern.
Ergeizig, strebsam, Träume zu verwirklichen.
In Deutschland wurden zu dieser Zeit viele Arbeitskräfte gebraucht und gesucht.
Nur mein Vater blieb Österreich treu und gründete hier eine Familie mit vielen Kindern, baute ein Haus, war fleißig und strebsam.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass in unserem Stammbaum, so um das fünfzehnte Jahrhundert, Vorfahren in Sachsen zu Hause waren.
So vergingen einige Jahre. In Deutschland wuchs die Wirtschaft schneller als in Österreich. Es wurde besser bezahlt. Man konnte sich mehr leisten.
Es war so Ende der sechziger Jahre. Es konnten sich meine Verwandten, die sich schon als Deutsche fühlten, die ersten Besuche also Urlaub in Österreich leisten.
Sie kamen so zirca jedes zweite Jahr auf Besuch.
Ihr Lebensstandart war etwas höher als der unsrige. Sie fuhren mit einem Golf oder später mit einem Audi zu uns. Wir hatten, bzw. konnten uns zu dieser Zeit noch kein Auto leisten. Beim zweiten oder dritten Besuch hatten wir auch schon einen alten VW-Käfer.
Ich war zu dieser Zeit noch sehr klein, merkte aber wir sind halt die Armen, vielleicht auch nicht so fleißigen oder klugen Österreicher.
Schon damals hatte ich manchmal zum Ausgleich kleine Genugtuungen.
Als einmal mein gleichaltriger Neffe dabei war und er behauptete Deutschland sei nicht größer als Österreich, wußte ich genau Deutschland ist fast 10x so groß und hat fast 10x soviele Einwohner.
Oder als mein deutscher Freund von seiner strengen Mutter geschimpft wurde. Er sollte seine Hände aus dem Hosensack nehmen. Es macht Beulen, gehört sich nicht. Steckte ich meine demonstrativ in den Hosensack, weil ich wußte, meine Mutter sagt nichts.
Aber nicht das sie falsch denken. Wir waren einen Familie.
Durch den Aufschwung in Deutschland, wurden auch viele deutsche Zweigbetriebe in Österreich gegründet. So wurden auch die Firma, wo mein Vater beschäftigtwar, von einer deutschen Firma gekauft.
So konnten Firmen wachsen, den Profit verbessern und in Österreich wurden Arbeitsplätze geschaffen.
Im Laufe der Jahre kamen immer mehr deutsche Touristen in unser Land. Sie konnten sich es leisten.
Das war gut für unser Land. Die meisten Österreicher freuten sich.
Merkten aber auch bald die Nachteile. Die Staus. Den Müll auf den Autobahnen. Das doch teilweise etwas überhebliche Auftreten.
Wir wurden halt sehr stark ein Land der Dienstleister.
Es entwickelte sich doch eine gewisse Abneigung gegen unseren deutschen Nachbarn im allgemeinen.
Mit unseren deutschen Verwandten hatten wir gute Kontakte, obwohl doch ein wenig immer der Beigeschmack, was haben wir alles geschafft und wo steht ihr in Österreich, dabei war.
Ich begann eine Lehre in einer deutschen Tochterfirma, mit deutschem Direktor. Man kann sagen ich hatte eine gute Ausbildung. Mit deutscher
Gründlichkeit, Genauigkeit, gepaart mit den einen oder anderen österreichischen Vorzug, auf Grund der österreichischen Mentalität.
In vielen dieser Tochterfirmen, wollten es die kleinen Österreicher, langfristig es den Deutschen zeigen, dass wir es auch können. So entwickelten sich gute Ausbildungsstätten, Schulen, Kurse und die Wirtschaft begann immer mehr zu expandieren.
Zur gleichen Zeit hatten wir auch immer das Manko des Sports.
Wir waren zumeist hinten. Zum Beispiel im Fußball hatte Österreich bsi Cordoba 1978, fast dreißig Jahre nie gegen Deutschland gewonnen.
So holten wir als Österreicher wirtschaftlich in den Achtziger und Neunziger Jahren immer mehr gegenüber Deutschland auf. Für mich waren diese Jahre immer geprägt mit einer gewissen Haßliebe gegenüber unseren Nachbarn. Sogar mein direkter Vorgesetzter wurde eine gebürtiger Deutscher, der schon einige Jahre in Österreich lebte.
In seinem Herzen aber ein richtiger Deutscher geblieben ist.
So ende der Neunziger Jahre, in manchen Teilen von Deutschland stagnierte die Wirtschaft schon, überholten wir vom Wohlstand unsere Verwandten in Deutschland.
Es drehte sich das Blatt.
Wir konnten uns mehr leisten, als unsere Freunde.
Vielleicht den einen oder anderen Moment kostete man diese Situation aus. Aber im Grunde waren wir alle immer die Gleichen.
Wir hatten das selbe Blut und verstanden, und verstehen uns sehr gut.
Ich muß gestehen, ich freute mich als vor ein paar Jahren, es doch in Deutschland wieder aufwärts ging. Die Negativ-Propaganda wieder aufhörte.
Und ich merkte, ich hatte sehr viele nette, freundliche, kluge Menschen im Laufe der Zeit aus Deutschland kennen gelernt. Auch zur Zeit habe ich viele berufliche Kontakte nach Deutschland, welche sehr angenehm sind.
Es ist wirklich so, ich habe mit der Zeit die Deutschen lieb gewonnen.
Ich mag sie.
Stehe vielleicht in Österreich mit meiner Meinung noch in der Minderheit, zumindest nach außen hin.
Aber es ist so, obwohl man auch Freunde hat, die Türken, Slovenen, Tschechen, Polen oder auch anderen Ländern hat.
Durch die Sprache, denke ich, und auch durch die Mentalität ist man den Deutschen doch etwas näher, als zu den anderen.
Für mich gibts sicher des öfteren Össis-Witze oder auch Piefke-Witze zu hören.
Aber im Grunde, denke ich, stehen wir uns sehr Nahe!
PS: Sogar mein Sohn ist ein Fan der Deutschen Nationalmannschaft, als einziger in seiner Klasse, und meine Tochter fährt gerne nach Deutschland auf Urlaub.
Also liebe Deutschen, viele Grüsse von einem Össi oder auch Österreicher.
G. Weber