Ein paar Stunden im Leben eines Soldaten - (in memorium eines Kameraden)
(Warum ich ein Konsenzmensch bin)
Es wird langsam hell. Die Dunkelheit weicht, der Nebel fällt ein.
Wir schreiben den 22.12.1944, an der Ostfront nähe Lemberg.
Mein Kamerad und ich sitzen hier in einem Schützenloch.
Nässe, Kälte, Dreck Unangenehm.
Die letzten Stunden waren still. Nur ab und zu eine Stimme, Befehle.
Unser Befehl lautete die Stellung zu halten.
Im Schutz der Dunkelheit wurden wir versorgt.
Ein Stück Brot, Wasser, Sonnenblumenkerne und Munition.
2 Wochen sind wir schon hier.
Verdreckt, stinkend, etwas ausgehungert, aber noch am Leben.
Ich blinzle hinaus, kein Soldat zu sehen, nur weite Fläche in der Nebel aufzieht.
Wir erzählten uns Geschichten von daheim.
Mein Kamerad war aus dem Norden. Seine Name Hermann.
Wir teilten unser Brot.
Da hört man sie schon wieder, die Flugzeuge. Aufklärer.
Bald kommen sie wieder die Bomben, die Granaten, möglicherweise diesmal mit Panzer.
Schon hört man den ersten Schuß. Es geht los.
Wir ziehen unsere Köpfe ein.
Die Granaten schlagen ein. Nicht weit weg von uns, aber es kommt näher.
Wie kauern uns so weit als möglich zu Boden. Der Dreck fliegt in unser Loch.
Mein Kamerad, Hermann zittert. Vermutlich ich auch.
Die Nerven zum zerreißen.
Wir können gar nichts tun, nur abwarten.
Hermann hält es nicht mehr aus. Er springt auf, will zurück in ein anderes weiter zurückliegendes Schützenloch. Ich will in aufhalten.
Aber er muß, er kann nicht anders, er läuft zurück.
Ich bin alleine und bete.
Nach einiger Zeit des Unerträglichen, der Lärm wird weniger.
Der Beschuß wird eingestellt.
Wahrscheinlich kommen sie jetzt, die Panzer, die Soldaten,
doch diesmal bleibt es aus.
Es bleibt ruhig.
Den ganzen Tag, der quällende Gedanke, hat es Hermann geschafft?
Bei Anbruch der Finsternis, nehme ich meinen ganzen Mut zusammen.
Schleiche zurück.
Was ich dann sehe, bleibt mir mein Leben lang im Kopf hängen.
Das Schützenloch mit Hermann von einer Granate zerfetzt.
Oh Gott war mein letzter Gedanke.
Ich wachte Tage später in einer provisorisch eingerichteten Saniäterstation auf.
Mich hatte eine Kugel ins Knie getroffen. Wurde bewußtlos und bin von einem Kameraden gerettet worden.
EIN ABSOLUTER KRIEGSGEGNER
G. Weber