ANNO DAZUMAL - Vor 118 Jahren

Veröffentlicht auf von G. Weber

ANNO DAZUMAL - Vor 118 Jahren

Artikel aus dem Jahre 1891 (Die Gartenlaube)

Im Kampf mit der Staßenschleppe

Was uns vom Standpunkt des gebildeten Geschmacks aus von der Straßenschleppe zu halten habe, das ist in Nr. 8 dieses Jahrg. der "Gartenlaube" deutlich ausgesprochen und wir hoffen, daß das dort Gesagte einigermaßen Früchte getragen habe, weil wir der Überzeugung sind, daß das Unfeine dieser Mode jeder vernünftig denkender Frau einleuchten müsse.
Daß aber der Kampf mit dem geschwänzten Unhold damit noch nicht zu Ende sein werde, das war von vornherein klar. Man hat in unseren Tagen glücklicherweise ein Wort eine größere Geltung als je in langer Frist von Jahrhunderten, es heißt "Hygieine", und in dieser Großmacht der Gegenwart ist dem guten Geschmack ein bedeutender Bundesgenosse erwachsen. Der niederösterreichische Landessanitätsrath hat sich dahin geäußert, daß ein Verbot des Tragens von Damenschleppkleidern auf den Straßen entschieden empfehlenswerth sei, da durch das Nachschleppen langer Kleider der Staub in hohen Maße aufgewirbelt werde und so den Athmungswerkzeugen Stoffe zugeführt werden können, welche "Infektionskrankheiten" verursachen.
Wirklich hat auch die Wiener Polizeidirektion Erhebungen darüber angestellt, ob ein solches Verbot wohl durchführbar sein würde, und wenn Sie zu dem Ergebnis gelangen sollte, in der That von Amts wegen gegen die freiwilligen Straßenfeger einzuschreiten, so können wir nur einen vollen Erfolg - wünschen.
Aber hübscher wäre es doch von der verehrlichen Damenwelt, wenn Sie selbst sich den Geboten der Gesundheit und des Geschmacks unterordnen würde und nicht wartete, bis der Büttel kommt und Sie dazu zwingt.



(2009: Heutzutage wird anders Staub aufgewirbelt)


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G. Weber
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Veröffentlicht in ANNO DAZUMAL aus 1891

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M
Ja man konnte sich schon immer über Kleinigkeiten aufregen und über den guten Geschmack dikutieren g
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G
<br /> <br /> Ja, es wiederholt sich vieles.<br /> Vieles ist im Nachhinein betrachtet auch lustig.<br /> Viele Grüsse G. Weber<br /> <br /> <br /> <br />